Das erste Erfolgsprinzip für effektives technisches Englisch: Deutlichkeit

Wenn es um das Lernen von Englisch als Fremdsprache geht, beneide ich meine Schüler nicht wirklich. Englisch ist eine Sprache mit unendlich vielen Ausnahmen und einem riesigen Vokabular.

Die Rechtschreibung macht nur wenig Sinn und gerade wenn die Regeln für Zeiten, beziehungsweise Wortreihenfolge gut strukturiert erscheinen, kommen Dinge wie Phrasal Verbs ins Spiel, die jeglichen Anschein von Logik zunichte machen.

Was sind Phrasal Verbs?

Phrasal Verbs sind Verben, die von Präpositionen begleitetet werden (in, out, to, etc.), welche die Bedeutung des Verbs verändern. Im gesprochenen Englisch verwendet jeder Phrasal Verbs.

In Konversationen kann man sie nicht vermeiden und deswegen sind sie ein Teil der Sprache, der gelernt werden muss.

Ich spreche hier nicht von Verben, bei denen man eine bestimmte Präposition verwendet, um die Beziehung zu einem Nomen aufzuzeigen (z. B. laugh at, listen to, care about). Hier herrscht sowieso schon die Willkür.

Sondern ich spreche von Verben mit Präpositionen, die die Bedeutung des Worts komplett verändern, so dass es in keinem Bezug mehr zur eigentlichen Bedeutung des Verbs gibt. Hier ein Beispiel:

drop: Etwas fallenlassen
drop by: Jemandem spontan einen Kurzbesuch abstatten
drop out: Sich von etwas abmelden (z. B. Schule)

wecher

Warum sind Phrasal Verbs so schlimm? Ich sage es dir:

Wenn man bei einem Wecker von „goes off“ spricht, dann klingelt er. Oder anders gesagt: Er geht an.

Warum dann nicht 'goes on'?“, fragen meine Schüler.

Dann bleibt mir nichts anderes übrig als eine Antwort zu geben, die jedem Lehrer eines anderen Fachs die Kündigung bescheren würde: Es ist einfach so.

Verständlicherweise reagieren Ingenieure allergisch auf eine solche Aussagen.

Technisches Englisch als Fremdsprache

das Minenfeld technisches Englisch

Aber technisches Englisch ist eine Kunst für sich. In jeder Sprache braucht man für technisches Schreiben ein hohes Maß an Wissen und Können.

Dieses Berufsfeld ist so einzigartig, dass man dafür studieren und sich zertifizieren lassen muss. Es ist zum Beispiel ziemlich schwierig ein Zertifikat für das Schreiben von Bauspezifikationen zu erlangen.

Und das sollte es auch sein:

Wenn eine große Summe von der Interpretation eines einzelnen Satzes abhängt, so sollte die Bedeutung des Satzes auf jeden Fall unmissverständlich sein.

Also müssen Ingenieure und Technikexperten auf der ganzen Welt eine bereits ziemlich chaotische Sprachen lernen und diese dann verwenden, um anderen komplexe Informationen mitzuteilen.

Wenn du es richtig machst, hast du einfach deine Arbeit getan. Erwarte keine Auszeichnung dafür.

Machst du es aber falsch, könntest du deine Firma Millionen kosten und ein Projekt um mehrere Monate verzögern.

Willkommen in der Welt des technischen Englisch als Fremdsprache.

Am Anfang mag das linguistische Minenfeld angsteinflößend sein, aber mach dir kein Sorgen. In diesem und dem nächsten Post zeige ich meine beiden wichtigsten Prinzipien für gute Kommunikation mit technischem Englisch für Nicht-Muttersprachler.

Prinzip Nr. 1 – Deutlichkeit

Deutlichkeit bedeutet, dass es keinen Zweifel an der Bedeutung und keine Möglichkeit für verschiedene Interpretationen des Gesagten gibt. Ja, natürlich ist es auch wichtig Fehler in der Grammatik oder bei der Aussprache zu vermeiden.

Viel wichtiger ist es dennoch, dass man sich der Fähigkeiten seines Gegenübers, und wie gut derjenige die Bedeutung des Englischen versteht, bewusst ist.

Klare Kommunikation

Der Grund:

Denke beim Kommunizieren auf internationaler Ebene immer daran, dass der Empfänger deiner Nachricht wahrscheinlich auch kein englischer Muttersprachler ist.

Möglicherweise ist das Englisch des Gegenübers großartig und deine Nachricht wird sofort verstanden.

Aber was ist, wenn das Englisch schlecht ist? Vielleicht braucht man eine Stunde, um deine Nachricht mit einem Wörterbuch zu übersetzen. Vielleicht wird deine E-Mail aber in den Google-Übersetzer eingefügt.

Ein guter Ingenieur überlässt nichts dem Zufall.

Deutlichkeit im technischen Englisch bedeutet, dass deine Nachricht immer auf die gleiche Weise interpretiert werden sollte, egal wie gut die Englischkenntnisse des Empfängers sind.

Wie man Deutlichkeit erreicht

Da du ja ein guter Ingenieur bist, solltest du dich auf das Worst-Case-Szenario vorbereiten (plus zusätzlichem Sicherheitsfaktor natürlich). Mit anderen Worten: Verwende Sprache, die es jemandem mit schlechten Englischkenntnissen einfacher macht alles zu verstehen.

Das heißt aber nicht, dass jeder Satz simpel und kurz gehalten werden sollte. Und auch nicht, dass du schreiben solltest als wäre deine Nachricht an ein Kind gerichtet. Manchmal sind komplexe Sätze unvermeidbar, wenn man komplexe Informationen kommunizieren möchte.

Sondern:

Versuche lieber die Anzahl der Textabschnitte zu reduzieren, die missinterpretiert werden könnten, selbst wenn sie korrekt sind.

Es gibt eine Menge Techniken, um die Deutlichkeit deiner technischen Nachrichten zu verbessern, aber dies hier sind die drei, die ich am effektivsten finde:

Klarheit

1. Vermeide Wörter, die in einer anderen Sprache eine andere Bedeutung haben

Einige englische Wörter können leicht falsch verstanden werden, weil sie Wörtern aus anderen Sprachen ähneln. Diese nennt man „false friends“.

Beispiel: A rainwater-collection system will eventually be installed.

Besser: A rainwater-collection system will be installed in the future.

Das englische Wort „eventually“ bedeutet „definitiv, aber wir wissen nicht wann“, wenn es im Futur verwendet wird. In diesem Beispiel steht außer Frage, dass eine Regenwasserauffanganlage (rainwater-collection system) installiert wird.

Jedoch ist „eventually“ dem deutschen „eventuell“, dem französischen „ éventuel“ und dem italienischen „ eventuale“ sehr ähnlich – diese bedeuten alle „vielleicht“!

Wenn man ein Wort, das „definitiv“ bedeutet als „vielleicht“ interpretiert, nimmt das nur selten ein gutes Ende.

Sorge dafür, dass das nicht passiert.

2. Vermeide englische Worte, die leicht verwechselt werden können

Manche Worte stellen selbst für Fortgeschrittene eine Falle dar, weil sie anderen Worten mit einer unterschiedlichen, oder sogar gegenteiligen Bedeutung ähneln.

Beispiel: When we discussed our design, the client was disinterested.

Besser: When we discussed our design, the client was impartial.

„Disinterested“ ist „uninterested“ gefährlich nah.

Das erste Wort bedeutet, dass das Design für den Kunden nicht so wichtig war und er wahrscheinlich andere, wichtigere Dinge zu besprechen hatte. Wenn aber das zweite Wort verstanden wird, würde das bedeuten, dass sie denken der Kunde sei mit dem Design unzufrieden gewesen, oder dass er es sogar gänzlich abgelehnt hat.

Mit anderen Worten:

„Disinterested“ heißt, dass die Designer ihren Job gemacht haben, auch wenn ihre Arbeit vielleicht nicht wertgeschätzt wird. Es reicht aus und die nächste Phase kann beginnen.

„Uninterested“ heißt, dass du entweder dein Designer-Team feuern solltest, oder sie noch einmal ganz von vorne anfangen müssen. Das wiederum könnte zu Herzinfarkten unter den Projektmanagern führen.

VORSPRUNG DURCH SPRACHE: der DTE Newsletter

Kein Spam. Keine Werbungen. Kein Bullshit.

Und zum Schluss, aber nicht weniger wichtig:

3. Vermeide Phrasal Verbs

Phrasal Verbs sind böse

Wenn Deutlichkeit der Gott des technischen Englisch ist, dann sind Phrasal Verbs der Teufel. Phrasal Verbs machen nicht nur selten wörtlichen Sinn (siehe oben), sondern auch das Verwenden von zwei Worten statt einem führt dazu, dass deine Nachricht komplexer wird, wodurch die statistische Chance auf Missinterpretation steigt.

Beispiele:

We set the equipment up before the inspector arrived

ODER

We set up the equipment before the inspector arrived.

Besser: We configured the equipment before the inspector arrived.

Oh oh.

Hier werden nicht nur weitere Worte hinzugefügt, sondern es entsteht auch eine Flexibilität in der Wortreihenfolge!

Erinnerst du dich doch an den Typen, der deine Nachricht in eine Übersetzungssoftware kopiert? Nun ja, je nachdem wo man das Wort „up“ einsetzt, bekommt er zwei unterschiedliche Übersetzungen.

Jetzt nimm dir einen Moment, um dir eine Situation auszudenken, in der das von Vorteil sein kann.

Abschluss

Ich werde aussprechen, was du denkst.

„Aber mein Lieferant/Kunde/Kontakt/Partner spricht wunderbares Englisch!“

Das macht keinen Unterschied.

Hier ist der Grund dafür:

Selbst wenn du dir sicher bist, dass der Empfänger deiner Nachricht gut Englisch kann, wie kannst du dir sicher sein, dass derjenige deine Nachricht nicht intern an andere Mitglieder des Teams oder Abteilungen der Firma weiterleitet?

Gehe im Geschäftsleben nie davon aus, dass er eigentliche Empfänger der einzige sein wird, der deine Informationen verwendet. Höchstwahrscheinlich gibt es in seiner Firma eine Menge anderer Beteiligter und es ist dein Job eine Nachricht zu erstellen, die von allen gleich verstanden wird.

„Sicherheit geht vor“, sagt man doch so schön.

Und Deutlichkeit ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

Im nächsten Post wirst du mein zweites Prinzip für technisches Englisch als Fremdsprache lernen: 

Prägnanz.

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