Ergebnissen durch Schreiben

Lerne Vokabeln für technisches Englisch mit EPIC: ein neues System zum Lernen von Fachbegriffen

Eines der besten Beispiele für Ironie ist, in eine Falle zu tappen, die man sich selbst gestellt hat.

Aber genau das passierte mir, als ich anfing eine Methode zu entwickeln, um meinen Kursteilnehmern beim Lernen von technischem Englischvokabular zu helfen: EPIC.

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich die meisten Übungshefte und Lernanleitungen, die es bereits auf dem Markt gibt, für ziemlich schrecklich halte (ein paar Ausnahmen existieren).

Am besten (und damit meine ich am schlimmsten) sind die Übungshefte für technisches Englisch, die versuchen, ein breites Spektrum technischer Themen in einem einzigen Buch abzudecken. Technisches Englisch für eingebettete Elektronik und Papierherstellung in das gleiche Buch zu stecken, kann höchstens einem Linguisten praktisch erscheinen…

Und trotzdem versuchte ich genau das zu tun, als ich anfing EPIC zu entwickeln.

Ich habe probiert etwas zu erschaffen, das zu jedem Ingenieur perfekt passt. Wie alle anderen vor mir, bin ich daran gescheitert - und zwar kläglich.

Basketball epic fail

Relevantes technisches Englisch ist für jede Industrie anders, für jede Firma in dieser Industrie, für jede Abteilung in dieser Firma und für jeden Ingenieur in jedem Team dieser Abteilung.

Ich habe es versucht und mir wirklich Mühe gegeben, aber letztendlich habe ich es nicht geschafft, eine Sammlung von Fragen zu erstellen, die für jeden Ingenieur relevant ist.

Ich stand schon kurz davor aufzugeben, aber dann hatte ich glücklicherweise eine Unterhaltung mit einigen meiner Kursteilnehmern bei ein paar Feierabendbierchen. Und plötzlich wurde ich mit der Lösung wie vom Schlag getroffen:

Ich kann die richtigen Fragen nicht für dich aufschreiben…

…aber du kannst das.

Angesichts dessen möchte ich dir EPIC vorstellen: ein Lernsystem, welches darauf ausgelegt ist, das fehlende technische Englischvokabular zu identifizieren, es zu lernen, es anzuwenden und danach zu reflektieren – und alles mit einer einzigen, einfachen Übung.

Das Grundgerüst

Zum Lernen von technischem Englischvokabular konzentriert man sich heutzutage standardmäßig auf Wörterlisten, die ein bestimmtes Thema behandeln.

Man bekommt Wörter vorgelegt – von denen die meisten wahrscheinlich schon bekannt sind – liest dann vielleicht ein paar Standardsätze als Beispiele, wie man die Wörter verwendet, übt diese dann beim Bearbeiten von Wortzugehörigkeitsaufgaben wie in der Grundschule und löst Wörtersuchaufgaben, welche von Autoren geschrieben wurden, die noch nie in ihrem Leben eine Schutzbrille getragen haben.

Dann blättert man um und bekommt eine weitere Wortliste vorgesetzt, die zu 75% aus Bullshit besteht.

EPIC ist jedoch ein zweistufiger Prozess, bei dem der Fokus auf der Formulierung und Lösung von Fragen liegt, die du selber verfasst.

Du kannst jede Komponente, jedes Gerät, Produkt, System oder Teilsystem nehmen und dir ganz leicht ein eigenes Lernwerkzeug schaffen, das sich voll und ganz auf deine individuellen Bedürfnisse zum Lernen von technischem Vokabular konzentriert.

Durch die Anwendung der Lernmethode EPIC, wirst du gezwungen Wörter zu identifizieren, die noch nicht in deinem Wortschatz vorhanden sind. Diese suchst du also heraus und benutzt sie direkt in einem praxistauglichen Kontext. Dadurch bleiben sie dir leichter im Gedächtnis.

Mit anderen Worten: relevantes Lernen und kein überflüssiger Bullshit.

Und so funktioniert‘s:

Der Kontext

Egal ob anaerobischer Faulbehälter in einer Kläranlage oder Mikrocontroller für Schrittmotoren, sobald du das Themengebiet definiert hast, für das du technisches Englischvokabular benötigst, versetzt du dich in folgende Lage:

Du bist der weltweit führende Experte in deinem Themengebiet, aber es wird Zeit, die Arbeitshandschuhe an den Nagel zu hängen und in den Ruhestand zu gehen…

Angeln

…aber bevor du deine restlichen Tage auf deinem Angelboot verbringst, musst du deine Nachfolger schulen.

Du hast das letzte Jahr damit verbracht, deine Schützlinge einzuarbeiten und jetzt ist es an der Zeit herauszufinden, ob sie alles auch wirklich und wahrhaftig verstanden haben.

Du musst einen Test für sie schreiben.

Der Test darf aber kein Zuckerschlecken sein… schließlich hast du dein ganzes Leben mit der Meisterung dieses Themengebiets verbracht. Also sollten die Fragen sehr detailliert und nicht durch eine einfache Antwort, sondern nur mit einer Erklärung zu lösen sein.

Mit anderen Worten: „Richtig oder Falsch“-Fragen stehen somit… außer Frage. Das lässt sich recht einfach mit Interrogativpronomen (Fragewörtern) bewerkstelligen, wie zum Beispiel ‘how’, ‘why’, ‘where’, ‘what’ etc.

Es wäre blöd, wenn du morgen von einem Bus überfahren werden würdest, aber alles ist möglich, also überlasse nichts dem Zufall…

Um auf der sicheren Seite zu sein, musst du also auch die Antworten zu deinen Fragen aufschreiben, damit du sichergehen kannst, dass auch ein Laie deinen Expertentest bewerten kann.

Zu guter Letzt sollten deine Fragen in vier verschiedene Kategorien unterteilt sein:

Die Kategorien

EPIC steht für „Elements“, „Processes“, „Interactions“ und „Considerations“: vier Kategorien, die es dir ermöglichen, die Fragen über dein Themengebiet sauber zu sortieren und dich mit den benötigten Wörtern und Grammatikkonzepten auseinanderzusetzen. Du wirst also gezwungen, dich mit deinem Themengebiet aus verschiedenen Perspektiven zu beschäftigen.

Kategorie 1: ‚Elements’

In der ersten Kategorie liegt der Fokus auf physischen Komponenten und physischen Charakteristiken deines Themengebiets.

Explosionssicht einer Pumpe

Dazu gehören auch die individuellen Teilkomponenten, aus denen dein Themengebiet besteht sowie die Rohstoffe, die zur Herstellung dieser Komponenten verwendet werden und jegliche physischen Dimensionen und andere physische Eigenschaften, wie zum Beispiel Dichte, Leitfähigkeit oder Reflexionsvermögen.

Für das Schreiben und Beantworten von Fragen über die Elemente des Themengebiets, musst du die Namen der Komponenten (Nomen) und Wörter, die deren Eigenschaften beschreiben (Adjektive), kennen.

Kategorie 2: ‚Processes’

In der zweiten Kategorie liegt der Fokus auf den Aktionen, die aus deinem Themengebiet resultieren.

Bewegung eines komplexen Gerät

Du solltest also Fragen darüber schreiben, was dieses Ding oder System tut, wie es das tut und möglicherweise was ein Nutzer tun muss, um mit diesem Ding eine bestimmte Aktion durchzuführen.

Für die Formulierung von Fragen über Aktionen, musst du natürlich die Aktionswörter (Verben) bezüglich deines Themengebiets kennen sowie alle Wörter, die beschreiben wie die Aktionen getätigt werden (Adverben).

Kategorie 3: ‚Interactions’

In der dritten Kategorie liegt der Fokus auf den Beziehungen zwischen deinem Themengebiet und anderen Komponenten in deinem System sowie dessen Beziehung zur Anwendungsumgebung.

technisches Prozessdiagram

Die ersten beiden Kategorien konzentrieren sich komplett auf das Themengebiet, aber in dieser Kategorie geht es darum, wie es mit allen anderen Dingen zusammenpasst. Dazu gehören auch Aktionen und physische Konzepte, wie zum Beispiel die Positionierung in Relation zu anderen Dingen.

Hierdurch wirst du gezwungen jene Wörter zu kennen, die du benötigst, um Beziehungen zwischen Dingen zu spezifizieren (Präpositionen) aka der Teufel).

Kategorie 4: ‚Considerations’

In der letzten Kategorie soll all das spezielle Wissen erfasst werden, das man über dein Themengebiet benötigt.

Etwas Allumfassendes sozusagen für alle übrig gebliebenen technischen oder nicht-technischen Berücksichtigungen, die man im Kopf behalten sollte, wie zum Beispiel die Spezifizierung, Entwicklung, Bestellung, Installierung, Verwendung oder Reparatur dieses Dings.

Übliche Themen sind Sicherheitsvorkehrungen, Wartungskosten, Vorlaufzeiten, Entwicklungs- und Lebenszyklen. Hier gibt es keinen speziellen Fokus auf Sprache oder Grammatik, also auch keine „falschen“ Fragen. Sei einfach kreativ!

Die Methode

Wenn du anfängst deine technischen Fragen aufzuschreiben, wirst du früher oder später auf technische Englischwörter stoßen, die du nicht kennst, aber benötigst, um einen ausführlichen Test zu schreiben.

Und das ist ja genau das Ziel.

Schlage also dein liebstes Online-Wörterbuch auf (dict.cc und Linguee sind meine persönlichen Favoriten), finde die richtige Übersetzung für das gesuchte Wort und verwende es dann in deiner Frage.

Für maximale Lerneffizienz, solltest du zuerst all deine Testfragen aufschreiben und erst dann zum Anfang zurückgehen, um sie nach und nach zu beantworten.

Es hilft, eine kleine Pause zwischen dem ersten Lernen und der ersten Anwendung eines Worts aus einer Frage zu machen, da es deine Fähigkeit, dir das Wort einzuprägen, ENORM steigert.

Wie viele Fragen solltest du also schreiben? Das ist allein deine Sache – wie viel willst du denn lernen?

Ich persönlich lerne am besten, indem ich Beispiele studiere und repliziere. Aus diesem Grund habe ich ein simples Beispiel eines EPIC-Tests bezüglich des technischen Englischs für Lichtschalter erstellt, das du dir kostenlos herunterladen kannst.

Ich würde natürlich auch liebend gerne sehen was euch so einfällt, also schickt mir doch eure EPIC-Tests, wenn ihr gerne Feedback hättet oder meldet euch mit eurer Meinung über Twitter oder Facebook!

Zum Schluss möchte ich meinen tollen Versuchskanninchen Kursteilnehmern danken, die mir geholfen haben, diese Methode über die letzten 6 Monate zu entwickeln – ohne euer Feedback (und eure Geduld) wäre das nicht möglich gewesen.

Never stop learning,

Dave

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Von Marvin Kobold aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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