Ergebnissen durch Schreiben

Branchenfokus: Technisches Englisch im Bauwesen

Ein Interview mit Dr. Stefan Völkner des Baupraxis-Blogs

Vorwort

Dies ist der erste Blog-Post einer neuen Serie, die Licht in die einzigartigen Herausforderungen und wichtigen Aspekte des technischen Englischs für spezifische Branchen rund um das Ingenieurswesen bringen soll.

Also ist es ganz natürlich, dass ich anfangs den Fokus auf technisches Englisch für das Baugewerbe lege.

Dr. Stefan Völkner ist der Autor von baupraxis-blog.de und ein Bauingenieur mit vieljähriger Erfahrung im Bereich internationaler Bauprojekte. Er hat bereits mehrere großartige Artikel über technische Kommunikation für das Bauwesen geschrieben, darunter auch ein toller Artikel über den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz.

Im folgenden Artikel beantwortet er meine Fragen über die einzigartigen Anforderungen technischer Kommunikation in der Baubranche. Stefan gibt außerdem persönliche Tipps, wie du dein technisches Englisch als Ingenieur und deine technische Kommunikation bei internationalen Projekten optimieren kannst.

Immer vorwärts!

Dave

Kommunikation und Englisch im Baugewerbe

Was sind die größten Herausforderungen bei der Kommunikation auf internationaler Ebene?

Kommunikation ist eine Kunst. Es geht dabei nicht nur um die Wahl der besten Kommunikationsform oder von passenden Worten auf der einen Seite, sondern auch um das richtige Verständnis letzterer. Das ist schon schwierig genug in der Muttersprache und führt auch hier zu vielen Missverständnissen, unterscheidet sich doch die korrekte technische Sprache von der Umgangssprache; Stichworte „Materialstärke“ oder „Fassadenverkleidung“…

Material ist nicht stark, sondern dick und Fassaden werden höchstens zu Karneval verkleidet, sonst werden sie bekleidet.

Katze als Piraten verkleidet

Kommunikation bei internationaler Zusammenarbeit schraubt den Schwierigkeitsgrad noch ein Niveau höher. Als gemeinsame Sprache wird dann üblicherweise Englisch gewählt, doch das ist eine Fremdsprache für viele, wenn nicht alle Beteiligten.

Das Schulenglisch ist oft eingerostet, Aussprache und Wortwahl werden zu einer Mischung aus mehreren Sprachen.

Doch gerade in Projekten, in denen beispielsweise Architekten aus Frankreich und ein Konsortium von Baufirmen aus halb Europa ein Multi-Millionen-Projekt in der Wüste Dubai‘s mit Arbeitern aus dem Mittleren und Fernen Osten ausführen wollen, ist eine professionelle Nutzung der gemeinsamen Sprache bei Planung und Ausführung des Projektes unerlässlich.

Die größte Herausforderung besteht hier in der Wahl von fachlich versierten Projektverantwortlichen, die gleichzeitig der gemeinsamen Sprache hinreichend mächtig sind. Wenn dann aufgrund mangelhafter Kommunikation noch etwas schiefgeht, sollte es nicht am Verständnis der Fremdsprache liegen.

Dolmetscher und Übersetzungsbüros sind meines Erachtens übrigens nur eine Hilfe, wenn sie ausreichend fachliches Wissen mitbringen. Sonst besteht die Gefahr, dass sie nur ein weiterer Puzzlestein in der allgemeinen babylonischen Konfusion werden.

Was ist zurzeit die übliche Vorgehensweise in Hinblick auf Fremdsprachen bei internationaler Zusammenarbeit?

Man verlässt sich (leider) oft auf die eigenen (fremd-)sprachlichen Fähigkeiten. Nur haben diese Fähigkeiten verständlicherweise genauso oft Grenzen. Wird dies bei der Zusammenstellung eines Projektteams erkannt, kann gezieltes Training die individuellen Sprachkenntnisse verbessern oder es wird auf Dolmetscher zurückgegriffen.

Üblich ist es aber doch, dass man es ohne Hilfe versucht oder versuchen muss; speziell bei ‚kleineren‘ Projekten. Kommunikationsfehler müssen dann entweder rechtzeitig entdeckt oder nachträglich ausgebessert werden.

Gab es in den letzten 10 Jahren irgendwelche neuen Trends oder Änderungen bei der Zusammenarbeit auf internationaler Ebene?

Ich denke, dass eine intensivierte internationale Zusammenarbeit dazu geführt hat, dass Akteure sich heute sicherer auf dem glatten Kommunikationsparkett bewegen. Vieles ist hier eine Frage von Übung und Erfahrung, die man letztendlich am Besten in der Praxis sammeln kann.

Sicherlich werden auch viele Beteiligte ihre Englischkenntnisse in Trainingskursen verbessert haben. Firmen, die international arbeiten, geben hierfür häufig Zuschüsse oder bezahlen solche Kurse ganz.

In wie weit sich Änderungen oder Trends der letzten Jahre allerdings in detaillierten Kommunikationsprozessen wiederspiegeln, entzieht sich meiner Kenntnis.

Was sind die Risiken bzw. Konsequenzen bei Kommunikationsfehlern?

Geld verschwenden

In letzter Konsequenz sind hier – wie fast immer – Kosten zu nennen. Abstimmungsfehler in der Planung und in der Ausführung von Bauprojekten kosten immer mehr oder weniger viel Zeit und damit Geld; egal in welchem Stadium sie entdeckt werden und aus welchem Grund sie aufgetreten sind.

Was ist die schlimmste Konsequenz eines Kommunikationsfehlers, den du persönlich bei einem Projekt bzw. auf einer Baustelle erlebt hast?

Diese Konsequenz bezieht sich für mich nicht so sehr auf die sprachliche Kommunikation, sondern eher auf die darstellerische. Zeichnungen wurden aus irgendeinem Grund falsch interpretiert, so dass ein Wohnhaus einen knappen Meter kürzer dafür aber einen halben Meter breiter wurde. Der Betonbauer hatte das Fundament falsch abgemessen und es wurde nicht rechtzeitig bemerkt.

Daraufhin mussten Deckenbalken und Sparren neu bestellt werden. Ich war schon froh, dass ich nicht der Bauleiter war. Immerhin gab es keinen Bauverzug, da ja vor der Lieferung der neuen Bauteile erst noch Wände errichtet werden mussten.

Um zu etwas Erfreulicherem überzugehen, was ist die lustigste Fehlübersetzung oder Fehlinterpretation, die du erlebt hast?

Das war sicherlich die Aussprache eines englischen Wortes eines spanischen Kollegen, mit der er während einer Besprechung die gesamte Runde mehrfach verwirrt hat. Es klang wie „Fackadéh“, gemeint war das Wort „façade“. In solchen Fällen hilft oft die Vorstellung, wie die Lautschrift des gesprochenen Worts in der jeweiligen oder auch der eigenen Muttersprache aussehen könnte.

Machst du irgendetwas, um dein technisches Englisch zu verbessern (oder instand zu halten)?

Tägliches Üben in Wort und Schrift. Und genau zuhören und mitlesen, wenn Muttersprachler am Werk sind. Ansonsten lernt man doch nur das Englisch, dass von anderen auch falsch verwendet wird…

…was im Umkehrschluss aber nicht heißen soll, dass englische Muttersprachler immer in korrektem Englisch kommunizieren!

Was sind deine liebsten Hilfsmittel für technisches Englisch im Bauwesen?

Ich nutze eigentlich regelmäßig das Online-Wörterbuch von leo.org. Hier gibt es hilfreiche Angaben über die technische Anwendung von Wörtern und sehr brauchbare Informationen in einem Forum.

Ansonsten habe ich einige gute Wörterbücher in Papierformat. Als am besten geeignet sehe ich englische Fassungen, deren Begriffe nicht nur durch Text, sondern auch durch technische Zeichnungen erläutert werden.

Wenn sonst gar nichts mehr weiterhilft, schreibe ich auch schon mal eine E-Mail an einen netten englischen Kollegen. Wie z.B. beim gescheiterten Versuch das Wort „Kniestock“ bzw. „Drempel“ zu übersetzen, da diese Bauweise in Großbritannien fast unbekannt ist.

Das Ergebnis war allerdings völlig britisch-untypisch, weil politisch völlig inakzeptabel, jedoch fachlich wohl korrekt, wie der Kollege es selber bewertete: „dwarf wall“.

Welche 2 Maßnahmen können deiner Erfahrung nach Bauunternehmen helfen, die Kommunikation bei internationaler Zusammenarbeit zu erleichtern/optimieren?

Größere Bauunternehmen und ihre Mitarbeiter sind nach meiner Erfahrung ausreichend gut für diese Aufgabe gerüstet.

Bei anderen Unternehmen, die nicht so häufig in internationale Projekte involviert sind, sollte die Wahl der verantwortlichen Mitarbeiter nicht nur aufgrund fachlicher Qualifikationen getroffen werden. Sind sprachliche Qualifikationen fragwürdig, kosten gute Sprachkurse weit weniger als mögliche Konsequenzen auf der Baustelle.

Also gilt: erstens Auswahl und zweitens Training, auch in dieser Reihenfolge.

Was kann eine Einzelperson (z.B. ein Bauingenieur) tun, um die eigene internationale Kommunikation zu verbessern?

Sprachkurse und regelmäßige Übung sind hier wohl als erstes zu nennen. Sprache ist scheinbar anders als Fahrradfahren; man kann mit der Zeit einiges vergessen.

Hinzu kommt, dass man bei zwei Punkten absolut keine Zurückhaltung zeigen darf…

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Über den Autor: Dr. Stefan Völkner

Dr. Völkner ist ein Bauingenieur, promoviert im Bereich Bauphysik/Baukonstruktionen, und arbeitet als Entwicklungsingenieur bei einem international tätigen Baustoffhersteller (u.a. internationale Projektleitung und technisches Produktmanagement). Sein Blog https://www.baupraxis-blog.de richtet sich sowohl an Private (z.B. Bauherren und Mieter) als auch an Professionelle (Ingenieure, Architekten usw.). Themen kommen aus Bereichen wie Finanzierung, Energiesparen, Baukonstruktionen, Architektur oder Bauphysik.

Dr. Stefan Voelkner

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